Wenn Kinder und Jugendliche gemeinsam lachen, spielen und Neues entdecken, dann verschwinden Grenzen, die im Alltag manchmal unüberwindbar scheinen. Das hat sich auf dem Bühlhof in Ötisheim wieder einmal gezeigt. Pfadfinder der Pauluskirchengemeinde Mühlacker, geflüchtete Kinder, die von der Diakonie Mühlacker begleitet wurden, und Kinder aus dem Autismuszentrum Mühlacker erlebten einen Nachmittag voller Begegnung, Spiel und Freude, gemeinsames Grillen inklusive.
Inklusion und Integration werden auf dem Bühlhof in Ötisheim mit Leben gefüllt. Pfadfinder der Pauluskirchengemeinde, geflüchtete Kinder und Kinder aus dem Autismuszentrum Mühlacker verbringen einen kurzweiligen Nachmittag. Bild: Daria Kraft
„Unser Ziel war es, dass die Kinder einander begegnen und aus ihren gewohnten Blasen heraustreten“, sagte Daria Kraft, Flüchtlingsbeauftragte des Diakonieverbandes Enzkreis, die schon länger eine solche Idee im Kopf hatte. Bei der Paulusgemeinde stieß sie damit auf offene Ohren. Die Pfadfinder, sagte Pfarrerin Gabriele Sauer, seien ohnehin eine offene Gemeinschaft. Zusammen mit dem Autismuszentrum, das in der Corona-Zeit die größeren Räume der Kirchengemeinde nutzen konnte, wollte man auf dem Bühlhof eine offene Begegnung ermöglichen. „Die Kinder kennen sich untereinander in den Gruppen, aber hier ist es eine ganz neue, spontane und liebevolle Erfahrung“, sagte Gabriele Sauer, die die Kontakte hergestellt und bei der Planung und Umsetzung geholfen hat. Autistischen und geflüchteten Kindern den Zugang zu der Pfadfindergruppe zu erleichtern, das sei dabei eine Überlegung hinter diesem spielerischen Nachmittag gewesen, an dem 24 Kinder und Jugendliche teilgenommen haben, die in vier verschiedene Gruppen aufgeteilt worden sind.
„Es ist ein kleiner Versuchsballon“, sagte Daria Kraft, allerdings einer, der zeigte, dass dieses Miteinander auch bei Herkunft aus verschiedenen Welten möglich ist. Zwar habe es anfänglich ein leichtes Fremdeln gegeben, „aber das ist bei uns Erwachsenen ja nicht viel anders.“ Kinder haben dagegen den Vorteil, dass sie viel schneller und unbefangener aufeinander zugehen können. „Natürlich gab es Momente, in denen ich dachte, zwei Gruppen hätten für den Anfang auch gereicht“, räumte Daria Kraft ein; letztlich hat es aber auch mit mehr Teilnehmern wunderbar harmoniert. „Man merkt, wie gut es funktioniert“, sagte Daria Kraft, und auch Gabriele Sauer sah großes Potenzial in solchen Begegnungen, bei denen sich Kinder unterschiedlicher Herkunft unbefangen kennenlernen und verstehen können. Gerade in der heutigen Gesellschaft, die in ihre einzelnen Interessengemeinschaften zu zerfallen drohe, sei dies ein wichtiges Signal im Sinne eines Miteinander und eines Zusammenhalts auch über die eigenen Grenzen hinaus.
Ursprünglich war für diesen Nachmittag eine Schatzsuche geplant gewesen, doch die kürzeste Strecke dafür hätte bei 4,5 Kilometern gelegen. Für die Pfadfinder wäre das kein Problem, für die jungen Kinder dagegen schon zu weit, sagte Daria Kraft. So hat man sich letztlich auf den Bühlhof und seine Möglichkeiten konzentriert. Das Programm selbst bot dabei viel Abwechslung: Nach einer Kennenlernrunde ging es los mit Spielen wie „Tower of Power“, Wikingerschach, Regenbogen-Fallschirm und Pantomime.
Für die Stadtkinder, darunter viele aus Großstädten ihrer Herkunftsländer, war zudem die Begegnung mit Pferden und Katzen des Hofs eine ganz neue Erfahrung. Am Ende war es daher nur folgerichtig, dass es bereits Überlegungen gibt, einen solchen gemeinsamen Nachmittag regelmäßig anzubieten. „Einmal im Jahr im Sommer – das bietet sich einfach an“, erklärte Pfarrerin Gabriele Sauer. Und vielleicht entstehen daraus ja noch ganz andere gemeinsame Projekte im Zeichen von Inklusion und Integration. „Ich kann mir gut vorstellen, dass wir noch andere Dinge zusammen machen“, so Gabriele Sauer. Stefan Friedrich