Im Ehrenamt zum Gottesdienst

- 25.07.2025 - 

Dass Ehrenamtliche an Gottesdiensten mitwirken, etwa bei den Fürbitten oder bei der Schriftlesung, ist nichts Neues. Das weiß auch Dr. Martin Reppenhagen. Doch der Dekan des Kirchenbezirks Karlsruhe-Land denkt noch deutlich weiter: Wenn von einer ehrenamtlichen Gestaltung von Gottesdiensten die Rede ist, dann muss damit aus seiner Sicht „ein Mehr gegenüber einer reinen Mitwirkung“ verbunden sein. So formuliert er es am Freitag, 18. Jul, im großen Saal des Evangelischen Gemeindehauses in Eisingen bei der Synode des Kirchenbezirks Badischer Enzkreis. Dort kennt man die Entwicklungen, die sich anderswo bereits vollziehen: die Veränderungen bei den Strukturen und den Finanzen, die Tendenz hin zu immer größeren Gemeinden, die mit immer weniger Pfarrern auskommen müssen. 

Der Referent Martin Reppenhagen (links), Dekan Dr. Christoph Glimpel (rechts) und Synodalvorsitzende Ute Schlumberger-Maas (links daneben) freuen sich über das Engagement der Ehrenamtlichen, die neue Gottesdienstformate bereits regelmäßig anbieten. Bild: Nico Roller
Deshalb will man sich Impulse aus dem benachbarten Kirchenbezirk holen – von keinem Geringeren als vom Dekan. Als Dr. Martin Reppenhagen in Eisingen über die verstärkte Einbindung Ehrenamtlicher in den Gottesdienst spricht, verweist er auch auf das evangelische Verständnis, nach dem eine Kirche erst dadurch zur Kirche wird, dass sie ein „Ort der gottesdienstlichen Versammlung der Gemeinde“ ist. Was umgekehrt auch bedeutet, dass jeder Ort zur Kirche werden kann, auch Kneipen und Privathäuser.
 
Vor diesem Hintergrund glaubt Dr. Martin Reppenhagen, dass Kürzungen bei Pfarrstellen nicht zwangsläufig eine Regionalisierung oder eine Reduzierung der Gottesdienste zur Folge haben müssen. Aus seiner Sicht gibt es Alternativen, die allerdings eine Abkehr von der Vorstellung verlangen, dass der Gottesdienst allein von der ordinierten Person abhängt. Wie das funktionieren kann, zeigt der Kirchenkreis Egeln in Thüringen, in dem 13 Pfarrer und zwei Diakone für 76 Gemeinden mit 85 Kirchen und Kapellen zuständig sind. Von den dort bereits erprobten Modellen zur ehrenamtlichen Mitwirkung beeinflusst, hat Reppenhagens Kirchenbezirk Karlsruhe-Land bereits ein Konzept erarbeitet, das unter anderem vorsieht, die Entwicklung von solchen Gottesdienstformaten zu begleiten, die mit „kleiner Kirchenmusik“ und ehrenamtlicher Verkündigung funktionieren. Möglich werden soll das auch durch ein Baukastensystem, das Ehren- und Hauptamtliche gemeinsam erstellen. Ziel ist laut Dr. Martin Reppenhagen ein „Gottesdienst der Engagierten“, der durch seine Gestaltung möglichst viele Menschen anspricht. Für den Dekan geht es um kleine Formate, die wenig Vorbereitung brauchen, weil etwa die Predigt durch Bibelteilen ersetzt wird. Ob ein Gottesdienst stattfindet, wäre dann nicht mehr von einem Pfarrer abhängig. Wichtiger als das Wie ist für Dr. Martin Reppenhagen nämlich das Ob.
 
In Eisingen hält der Dekan ein flammendes Plädoyer für den Sonntagsgottesdienst, den es aus seiner Sicht auch in Zukunft in jeder Kirche geben muss. Dass er die Sache der Gemeinde ist, zeigt für den Dekan ein Blick ins Neue Testament, in dem es zum Gottesdienst erst durch „die Versammlung der Gläubigen unter Gottes Wort“ kommt. Dass es dafür eines ordinierten Pfarrers braucht, glaubt Dr. Martin Reppenhagen auch deshalb nicht, weil nach evangelischem Verständnis jeder an Christus glaubende Mensch ein christlicher Theologe ist, auch ohne Studium. Der Dekan definiert den Theologen als Bibelleser, der andere ins Bibellesen hineinnimmt. Dahinter steht die von Martin Luther geprägte Überzeugung, dass es keines priesterlichen Mittlers zwischen den Menschen und Gott bedarf. Dennoch ist für Dr. Martin Reppenhagen das Zusammenspiel von innerer und äußerer Berufung entscheidend, um sicherzustellen, dass nur diejenigen zur Gemeinde sprechen, von der die Gemeinde auch etwas hören will. In seinem Vortrag gibt Dr. Martin Reppenhagen viele Impulse, die man laut Dr. Christoph Glimpel im Badischen Enzkreis aufnehmen will.
 
Der Dekan freut sich, dass es in seinem Kirchenbezirk bereits vorbildliche Beispiele für das von Dr. Martin Reppenhagen Skizzierte gibt. Etwa das bei der Ellmendinger Kirchengemeinde angesiedelte Format „Bring and Share“, bei dem in Gruppen so über Glaubensfragen gesprochen wird, dass jede Wahrnehmung gleich viel wert ist und nicht korrigiert wird. Im Nachbarort Dietlingen gibt es Taizé-Gottesdienste, in Königsbach in Zusammenarbeit mit dem CVJM einen Lobpreis- und Gebetsabend, der viel Raum für Anbetung, Lieder und persönliche Zeugnisse bietet. Ähnlich ist das Format „Home“, das in Eisingen ein Ort für persönliche, direkt aus dem Leben gegriffene Andachten und für die Begegnung mit Gott sein will. In Remchingen gibt es einen Gottesdienst für ältere und an Demenz erkrankte Personen, der barrierefrei erreichbar ist, auf eine leicht verständliche Sprache setzt und von der Veeh-Harfen-Gruppe begleitet wird. Ziel ist es, Erinnerungen zu wecken, Einsamkeit zu durchbrechen, Vertrauen, Glauben und Hoffnung zu stärken. Nico Roller