Julian Albrecht neuer Pfarrer in Königsbach und Bilfingen

- 07.10.2025 - 

Beziehung ist ein Wort, das Julian Albrecht immer wieder nennt: in unterschiedlichen Kontexten, aber immer mit eindeutig positiver Zielrichtung. Denn Beziehungen sind ihm wichtig, auch und gerade in seiner Arbeit als neuer Pfarrer der Evangelischen Kirche in Königsbach und Bilfingen. 

Julian Albrecht freut sich auf seine Tätigkeit als Pfarrer der Evangelischen Kirche in Königsbach und Bilfingen. Bild: Nico Roller
Nachdem er bereits ein Jahr die Vakanz-Vertretung übernommen hatte, wurde er am Sonntag, 28. September, offiziell in sein Amt eingeführt. „Wir sind gut angekommen und wurden herzlich aufgenommen“, sagt Julian Albrecht, der mit seiner Familie bereits im Pfarrhaus lebt.

Geboren am Bodensee, ist er bis zu seinem neunten Lebensjahr auf einem Bauernhof groß geworden. Nach dem Besuch der Realschule und des Wirtschaftsgymnasiums hat er seinen Zivildienst in Hamburg absolviert, bei der Heilsarmee in einer Tagesstätte für Obdachlose. Für ihn eine geistlich sehr prägende Zeit, in der er seine persönliche Beziehung zu Gott gefestigt hat. Schon als Jugendlicher hatte sich Julian Albrecht in der kirchlichen Jugendarbeit engagiert und gemerkt, dass ihm der Glaube wichtig ist, dass er in Vollzeit für Gott tätig sein will. Nachdem er Hebräisch und Latein gelernt hatte, begann er ein Theologiestudium, das ihn auch nach Nordengland führte.
 
Weit weg von der Heimat bekam er dort die Gewissheit, dass ihn sein Weg in den Pfarrdienst der Evangelischen Landeskirche führen soll. „Gott stellt mich an einen Ort und dort habe ich eine Aufgabe“, sagt Julian Albrecht, der nach dem Studium zunächst ein Lehrvikariat im Karlsruher Stadtteil Grünwettersbach absolvierte und nach dem zweiten Examen 2010 auf die Pfarrstelle in Mühlhausen bei Tiefenbronn berufen wurde. Dort blieb er anschließend fast 15 Jahre, bis ihn im Februar 2024 der Dekan des Kirchenbezirks Badischer Enzkreis, Dr. Christoph Glimpel, fragte, ob er sich einen Wechsel vorstellen könnte. In Königbach hat es ihm und seiner Familie „sehr gut gefallen“, wegen der guten Infrastruktur und des schönen Ortsbilds, aber auch wegen des Profils der Gemeinde: „Ich habe sofort gemerkt, dass das eine lebendige, selbstbewusste und mündige Gemeinde ist.“ Angesprochen hat Julian Albrecht schon die Ausschreibung, mit der ein Pfarrer gesucht wurde, der eine lebendige Beziehung zu Jesus hat, den Mitarbeitern auf Augenhöhe begegnet und verschiedene Strömungen zusammenbringt. Punkte, die auch Albrecht wichtig sind.
 
Aktuell sieht er die Kirche vor allem deshalb in einer herausfordernden Situation, weil auseinanderfällt, was zumindest in der Außenwahrnehmung bisher als zusammengehörig betrachtet wurde: die Gemeinden vor Ort und die Institution Kirche, die mit immer weniger Ressourcen die Grundversorgung sicherstellen muss. Was aus Julians Albrechts Sicht nur geht, wenn man Pfarrer aus ihren bisherigen Gemeindebindungen herauslöst. Damit die Beziehungsarbeit dennoch stattfindet, will er in Königsbach seine Energie in die ehrenamtlichen Mitarbeiter investieren. Als Multiplikatoren sind sie für ihn der Schlüssel, um Gemeinde lebendig zu halten, um ihr ein Gesicht zu geben. Julian Albrecht ist froh, dass Fusionen im Badischen Enzkreis aktuell nicht zur Debatte stehen, denn er glaubt nicht, dass sie die eigentlichen Probleme lösen. Julian Albrecht ist überzeugt: Wenn weniger Pfarrer zur Verfügung stehen, müssen Gemeinden ermutigt werden, Kompetenzen zu übernehmen. „Das geht nur, wenn der Pfarrer den Ehrenamtlichen und dem Kirchengemeinderat auf Augenhöhe begegnet.“
 
In Königsbach und Bilfingen will Albrecht für alle Menschen da sein. Auch für die, die nicht Mitglied der Kirche sind. Auch sie will er einladen, sich und ihre Fähigkeiten einzubringen. Julian Albrecht ist überzeugt, dass man in Beziehungen investieren muss und sich nicht an Beliebigkeit orientieren darf. Er glaubt, dass die Menschen das suchen, was sie wirklich ausmacht: die frohe Botschaft, das Evangelium von Jesus. Dahinter steht die Überzeugung, dass Gott die Menschen verändert und ihnen die Freiheit zu neuem Leben schenkt. Für ihn geht das nicht über niederschwellige Angebote, über ein „Kundenorientierungsmodell“, das den Kern des Christseins nicht vermitteln kann. „Damit macht man den Menschen etwas vor, das nicht aufrichtig ist.“ Der Pfarrer hat den Eindruck, dass die Kirche den Menschen oft etwas verschweigt: aus Angst, es sich mit ihnen zu verscherzen. Julian Albrecht sagt: „Die Vergangenheit ist für uns eine Aufgabe für die Zukunft.“ Deswegen will er sich in Königsbach auch der jüdischen Vergangenheit des Orts widmen. Nico Roller
 
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Julian Albrecht freut sich auf seine Tätigkeit als Pfarrer der Evangelischen Kirche in Königsbach und Bilfingen. Bild: Nico Roller