Schnell und unkompliziert gehen die Wahlen bei der konstituierenden Sitzung der Bezirkssynode des Badischen Enzkreises in Stein über die Bühne, eine nach der anderen, ohne besondere Vorkommnisse. Obwohl sie einen großen Teil der Tagesordnung und des Abends füllen, sind sie längst nicht das einzige Thema, das an dem Abend eine wesentliche Rolle spielt.
Bürgermeister-Stellvertreter Thomas Kaucher, die Dekane Christoph Glimpel und Jürgen Huber, Synoden-Vorsitzende Ute Schlumberger-Maas, Dekan Joachim Botzenhardt, Dekan-Stellvertreter Markus Mall und der gewählte Landtagsabgeordnete Nico Gunzelmann (von links) freuen sich über eine harmonische Synode. Bild: Nico Roller
Im Evangelischen Gemeindehaus in Stein geht es am Freitag, 17. April, auch um die Zukunft des gesamten Kirchenbezirks, genauer gesagt um die Frage, wie dieser in ein paar Jahren aussehen soll. Die Rede ist von einem Verbundkirchenbezirk Enzkreis, der aus Sicht von Dekan Dr. Christoph Glimpel „die bestmögliche Fusionsoption“ wäre, auch mit Blick auf die Lebenswelten und die vorherrschenden Atmosphären. Der Dekan des Badischen Enzkreises positioniert sich klar für eine Verbindung mit dem Kirchenbezirk Mühlacker, zu dem künftig auch der nördliche, zum Enzkreis gehörende Teil des Kirchenbezirks Neuenbürg gehören soll.
Dass er geteilt wird, liegt an einer Reform der württembergischen Landeskirche, die darauf abzielt, immer zwei Bezirke zusammenzulegen. Mühlacker hat bislang noch keinen Partner, doch das könnte sich künftig ändern. Denn nach entsprechenden Gesprächen mit Vertretern der beiden Bezirke haben laut Christoph Glimpel auch die Spitzen der Landeskirchen „ihren Willen zu einem Verbundkirchenbezirk Enzkreis zum Ausdruck gebracht“. Inzwischen hat man eine Steuerungsgruppe eingerichtet, deren Besetzung allerdings noch vorläufig ist. Denn um den Weg gehen zu können, benötigen beide Bezirke noch das Mandat ihrer Synoden. Christoph Glimpel ist überzeugt, dass sich das Vorhaben lohnt. Für den Dekan steht fest, dass kirchliche Strukturen den Menschen dann am besten dienen, wenn sie mit den Lebenswelten übereinstimmen.
Einen Kirchenbezirk Pforzheim-Land zu haben, war aus seiner Sicht sinnvoll, als es den entsprechenden Landkreis noch gab. Doch das ist inzwischen mehr als 50 Jahre her. Längst ist der Enzkreis nicht nur zu einer „identitätsstiftenden Region“ geworden, sondern auch zum Gegenüber, wenn die Kirche im politischen Raum das Gespräch sucht. Mit Blick auf zahlreiche Fusionen in der Evangelischen Landeskirche in Baden stellt sich für Christoph Glimpel die Frage, mit „wem wir mal zusammengehen werden“. Während Pforzheim für ihn wegen der „ganz anderen Strukturen“ ausscheidet, sieht er in Mühlacker eine ähnliche Atmosphäre. Es ist ein Wort, das er oft benutzt, denn er ist überzeugt: „Atmosphären lassen sich nur fusionieren, wenn sie sehr ähnlich sind.“ Bei Mühlacker findet er: „Das passt.“ Er denkt dabei unter anderem an Einzelbegegnungen, aber auch an die vertrauensvolle Zusammenarbeit im Diakonieverband, der bereits seit fast zehn Jahren von allen drei Kirchenbezirken getragen wird. Dass zur Synode auch die Dekane Joachim Botzenhardt aus Neuenbürg und Jürgen Huber aus Mühlacker kommen, ist kein Zufall.
Jürgen Huber spricht für beide, wenn er betont: „Es sind dieselben Themen und Herausforderungen, vor denen wir stehen.“ Er sieht den Auftrag der Kirche darin, den Menschen die frohe Botschaft des Evangeliums und der Liebe Gottes zu vermitteln, ohne an veralteten Strukturen hängenzubleiben. Jürgen Huber verweist auf einen Newsletter aller drei Kirchenbezirke und gemeinsame Dienstbesprechungen, zu denen sich die Pfarrer immer wieder treffen. An die Synodalen appelliert er, sich für ein weiteres Zusammenrücken einzusetzen.
In Stein absolvieren sie zahlreiche Wahlen. Synoden-Vorsitzende Ute Schlumberger-Maas wird ebenso in ihrem Amt bestätigt wie ihr Stellvertreter Rudolf Kaltenbach, Dekan-Stellvertreter Markus Mall und Bezirks-Diakoniepfarrer Michael Schaan. In die Landessynode werden Dekan Christoph Glimpel und Reiner Hummel gewählt, in den Bezirkskirchenrat neben Christoph Glimpel und Ute Schlumberger-Maas sowie Reiner Hummel kraft Amtes auch die Pfarrer Julian Albrecht, Michael Schaan sowie Stephan Guigas, Dandy Pömpner, Martin Schaller und Dr. Sabine Scheef, in den Verwaltungsrat des Verwaltungs- und Serviceamts Mittelbaden Stephan Guigas und Markus Ziegler. Nico Roller
Bürgermeister-Stellvertreter Thomas Kaucher, die Dekane Christoph Glimpel und Jürgen Huber, Synoden-Vorsitzende Ute Schlumberger-Maas, Dekan Joachim Botzenhardt, Dekan-Stellvertreter Markus Mall und der gewählte Landtagsabgeordnete Nico Gunzelmann (von links) freuen sich über eine harmonische Synode. Bild: Nico Roller