Mit Herz und Verstand

- 16.10.2026 - 

Die Evangelische Kirchengemeinde in Eisingen hat einen neuen Pfarrer. Paul Geck will das Ehrenamt unterstützen, auf die Menschen zugehen und Kirche als Ort der Offenheit erlebbar machen.

Paul Geck freut sich auf seine Tätigkeit in Eisingen. Der 35-Jährige will auf die Menschen zugehen und sie mitnehmen. Bild: Nico Roller
Eingelebt hat sich Paul Geck schon, auch dank der großen Herzlichkeit und Offenheit, die er, seine Frau und seine beiden Kinder erfahren haben. Sein Amt tritt der neue Pfarrer von Eisingen mit einem guten Gefühl an. „Wir fühlen uns jetzt schon sehr wohl“, sagt der 35-Jährige, der seit September in Eisingen lebt und inzwischen offiziell in seinen Dienst eingeführt ist. In den kommenden Wochen will er die Menschen kennenlernen und schauen, wo er gebraucht wird. Als Pfarrer im Probedienst wird er zwei Jahre in Eisingen bleiben, vielleicht auch länger, wenn der Kirchengemeinderat und seine Familie das auch wollen. Geboren und aufgewachsen in einem Dorf in der Nähe von Gießen, kam er von Anfang an mit dem christlichen Glauben in Berührung. Allein schon deshalb, weil er aus einer Familie stammt, in der es viele Pfarrer gab: nicht unter seinen Eltern und Großeltern, aber in den Generationen davor. Zu Hause haben der Glaube, Gott und Jesus immer eine große Rolle gespielt.
Gegen Ende seiner Schulzeit wurde Paul Geck klar, dass er nach dem Abitur ein Studium der Theologie beginnen will, auch dank des Religionsunterrichts bei einem Lehrer, der gute Fragen gestellt und fruchtbare Diskussionen ermöglicht hat. Für Paul Geck war das Studium faszinierend, weil es „so viele unterschiedliche Facetten und Perspektiven“ bereithielt, die ihn im Glauben bestärkt und weitergebracht haben. In Heidelberg, in Leipzig und in Greifswald befasste sich der Student mit evangelischer Theologie, in Rom aus Interesse zusätzlich mit katholischer Theologie. Die Corona-Zeit mit ihren Beschränkungen des öffentlichen Lebens nutzte er, um seine Doktorarbeit über das Wesen der christlichen Gemeinschaft zu schreiben. Kurz vor Schluss begann er sein zweieinhalb Jahre dauerndes Vikariat in Bühl, das im Sommer zu Ende gegangen ist. Als er Ende Juli seine Ordination feierte, stellte er sie unter den Bibelspruch „In Christus liegen verborgen alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis“. Denn Paul Geck ist überzeugt: „Wissen trennt nicht von Gott, sondern Gott ist die Quelle aller Erkenntnis.“ (Kolosser 3,3)
Der junge Pfarrer glaubt, dass Gott da wohnt, wo die Menschen nach ihm fragen und nicht schon alles wissen. Deswegen begreift er die Kirche als einen Ort, an dem eine große Offenheit und Herzlichkeit herrschen sollen. Die Theologie hat er schon im Studium nie als theoretisch und abgehoben erlebt, sondern als bereichernd und praxistauglich, mit einem engen Bezug zu den eigenen Lebensfragen. Im Pfarrdienst will Paul Geck nicht in der Routine versinken, sondern die Kirche immer neu entwickeln. Denn für ihn steht fest: „Gott ist die Quelle allen neuen Lebens.“ Der 35-Jährige ist überzeugt, dass Gott nicht ohne Kirche sein will: ohne Menschen, die sich zusammentun, um ihren Glauben zu leben. Geck verbindet damit eine Hoffnung, die ihn trotz aller Veränderungen und Herausforderungen optimistisch und positiv in die Zukunft blicken lässt. Er hält nichts davon, sich stur und starr an alten Vorgehensweisen festzuklammern. Aber er weiß auch: „Es geht nicht ohne Strukturen, wenn sie gut sind und dem Leben dienen.“ Sein Motto lautet daher: „Bewährtes erhalten und Neues ermöglichen.“
Nach Eisingen ist er „gern und mit einem guten Gefühl“ gekommen, nachdem er von Dekan Dr. Christoph Glimpel nur Positives über die Gemeinde gehört hatte. Geck meint damit ausdrücklich auch das große ehrenamtliche Engagement, das er unterstützen möchte, wo immer er kann. Der Pfarrer will eng mit den Ehrenamtlichen zusammenarbeiten, natürlich auch mit dem CVJM, der in Eisingen von Posaunenchor bis Fitnessstudio unzählige Angebote auf die Beine stellt. Paul Geck will auf die Menschen zugehen, für alle Generationen da sein und immer ein offenes Ohr haben: für jeden Einzelnen. Denn er ist überzeugt: „Für Gott ist jeder Mensch wertvoll, wichtig und gewollt.“ Ihm ist es wichtig, authentisch zu sein und den Menschen nichts vorzumachen. Er gibt offen zu: „Nur, weil ich da vorn stehe und predige, heißt das nicht, dass ich keine Fragen habe, dass meine Sehnsucht nach Gott immer erfüllt ist.“ Wenn er sich für seinen Dienst in Eisingen etwas wünschen dürfte, wäre das eine Atmosphäre, in der Gott lebendig ist und im Zentrum steht. Nico Roller